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REVIEW // WAS IST GUTE UNTERHALTUNG?

Was ist gute Unterhaltung? – Mit dieser Frage wurde der dritte Akt der Diskussionsreihe „Quint Essenz Kultur“ eine Veranstaltung des Instituts für Kulturmanagement der PH Ludwigsburg, eröffnet. Was bedeutet heute noch „Unterhaltung“ in der Zeit des Web 2.0, in der man mit unzähligen Formaten konfrontiert wird und jede Privatperson über Youtube oder Facebook zum „Unterhalter“ wird. Schließt Unterhaltung Qualität und Substanz aus? Oder kann Hochkultur auch unterhaltend sein?

Eine Frage, die im Kulturbetrieb zentral ist. Andreas Schreitmüller, Redaktionsleiter für Spiel- und Fernsehfilm des Kulturkanals ARTE, muss sich ebenfalls dem Klischee stellen: Kultur und Unterhaltung, passt das zusammen? Nach ihm schaut man Fernsehen aus einem Grund, weil es Spaß macht. So könne man jeden Inhalt vermitteln.

Aber gerade das deutsche Fernsehprogramm, insbesondere das der Privatsender, zeichnet sich doch dadurch aus, dass Unterhaltung einen höheren Stellenwert genießt als der eigentliche Bildungsauftrag. In der Kulturszene aber erkennt man die gegenteilige Tendenz. Unterhaltende Programme, die Erfolg haben gelten als verpönt, seien keine Kunst mehr, so die Moderatorin des Abends Adrienne Braun. Inga von Staden, Dozentin an der Ludwigsburger Filmakademie mit Schwerpunkt in der Computerspielszene, ist mit diesem Vorurteil besonders vertraut. Denn Computerspiele werden per se in die Ecke des bloßen Zeitvertreibs und in die des Kommerzes gedrängt. An diesem Abend stellte sie einen Animationsfilm von Michael Frei vor, der sich selbst ausdrücklich als Künstler versteht. Als ein Computerspiel basierend auf seinem Film riesige Erfolge feiert, ist der Künstler selbst überrascht, will sich von dem Erfolg aber distanzieren. „Was haben wir für ein Problem mit Erfolg, ist es denn besser mit einem Jazzkonzert die Säle leer zu spielen, als mit einem unterhaltenden, kurzweiligen Programm das Publikum zu begeistern?“ Diese Frage stellt Michael Gaedt, der für die erkrankte Cordula Stratmann eingesprungen ist. Der Schauspieler der „Kleinen Tierschau“ beschreibt sich selbst als Entertainer und kann sich bei der Diskussionsrunde vor Leidenschaft an dem Thema kaum auf dem Stuhl halten. Gute Unterhaltung könne man nicht planen, man macht sie einfach. Inhalt sei immer dabei und ergänzend dazu bemerkt von Staden, dass gute Unterhaltung vor allem sinnstiftend sei.

Was ist gute Unterhaltung? – Eine Frage, die wohl vorerst unbeantwortet bleibt, für Kulturbetriebe aber von essentieller und existentieller Bedeutung ist, denen jeden Tag der Spagat zwischen Bildungsauftrag und erfolgreicher Formate gelingen muss.

von Lisa Kosack, Studentin des Instituts für Kulturmanagement

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